Gestern nachmittag in der S 11, auf dem Rückweg von Poppenbüttel zum Hauptbahnhof:
Müde Menschen auf dem Nachhauseweg. An der S-Bahn-Haltestelle Ohlsdorf setzt sich eine Oma neben mich, Typ weißer Pelzmantel, Perlenohrringe und blondierte Dauerwelle.
Nach einiger Zeit fängt sie an herumzuschamfuttern: "Dieses Gequatsche. Das geht einem ja auf den Geist überall." Ich: "Wieso? Dürfen die Leute sich nicht unterhalten?"
Sie: "An jeder Ecke steht jemand und telefoniert. Nicht zum Aushalten ist das. Hoffentlich werden die jetzt bald verboten, und das kommt bald mit dem Verbot."
Ich: "Ja, da kann ich Ihnen nur Recht geben. Hoffentlich wird das bald verboten. Noch viel schlimmer allerdings sind Kölnisch Wasser und andere Duftwässerchen. Es gibt nichts lästigeres als parfümierte Menschen, finde Sie nicht?" Die Oma steht auf und setzt sich ein paar Reihen weiter. Die Leute drumherum grinsen.
Samstag, 21. Februar 2009
Freitag, 13. Februar 2009
Samstag, 31. Januar 2009
Jessica McCain Radioactive State: Teil IV
Viele Jahre vergingen. Jessica wurde eine weise Ashadina-Mutter der Goten, und sie bekam viel Macht im Stammesverband.
Kurz nach ihrer Inauguration verstarb Greiserich an einem Blutsturz, verursacht durch eine akute Magen-Darmwand-Vergammlung. Jessicas schärfste Konkurrentin, die Seherin Kassandra, war schon seit vielen Jahren tot. Jessica hatte sie eines Nachts von ihrer Geheimpolizei festnehmen und ohne Prozeß hinrichten lassen. Kassandra wurde gevierteilt. Ihr treuer Hund Buster war somit der letzte Überlebende, der sich an die graue Vorzeit erinnern konnte, als die Ashadina-Mutter in den Stamm kam.
Eines morgens ging Buster an den frischen Berquellbach, um seine Intimwaschung vorzunehmen und sich an dem Wasser zu laben, wie es seine Gewohnheit war. Der einst jugendliche Buster war auch in die Jahre gekommen, sein Fell war grau, die Augen matt und die Knochen müde. Buster war nicht dumm- er sah die Gefahr schon seit Jahren heraufziehen und er bemerkte die Veränderung der Persönlichkeit, die Jessica durch die stetig wachsende Machtfülle erfahren hatte. Jessica wurde skrupelloser, zynischer, grausamer und vor allem immer fetter. Sie brachte mittlerweile über 100 kgauf die Waage, und das bei nur 1,64 m Körpergröße- das ergibt einen Body-Mass-Index von über 43! Während der alte Recke sich wusch, dachte er, man müsse die alte Despotin aus dem Weg räumen. Da plötzlich kamen hinter einem Stein die Inquisitoren der Ashadina-Mutter hervor und hatten Buster umzingelt...
Montag, 26. Januar 2009
Aus Hamburgs Süden
Was es nicht so alles gibt...
Obwohl Weiß nach Punkten unterlegen ist, setzt es Schwarz matt. Da hat Schwarz nicht aufgepaßt.
Über dem Schachspiel prangt das Kreuz, in derselben Wohnung in Hamburg-Marmstorf.
In einem italienischen Restaurant präsentiert der Gastronom stolz seinen riesigen Lachs, die viel schönere Kellnerin schaut ein wenig konsterniert an der Kamera vorbei.
Hoolywood Nails- eine gute Sache. Zu dem Zeitpunkt, als die Fotografie geschossen wurde, waren tatsächlich Kunden im Laden, die manikürt wurden. Ein Nagelstudio für Hooligans ist offenbar eine Marktlücke.
Gestern und Heute genießen wir einen Hauch von Oriantel Night.
Da werden Erinnerungen wach...
Donnerstag, 22. Januar 2009
Eulen

Eulen sind ganz erstaunliche Tiere.
Mit einem sehr guten Gehör ausgestattet sind sie als Nachtjäger aktiv, ihr geringes Körpergewicht und ihre verhältnismäßig großen Flügelflächen ermöglichen ihnen einen geräuschlosen Flug.
Ihr Kopf fängt - ähnlich wie eine Radarschüssel - den Schall ein, so daß sie auch mit dem Gehör ihre Beute, meist Mäuse, orten können.
Die Skulptur aus dem Jahre 1952 stammt von Pablo Picasso. Sie heißt "Die Eule".
Auf dem Foto ist ein Uhu zu sehen.
Montag, 12. Januar 2009
Montag, 15. Dezember 2008
Frauen
Frauen mit Brillen
sind fruchtbarer
Frauen in S-Bahnen
drängen sich jedem auf
Frauen
Frauen beim Einkaufen
verführen einen
Frauen Frauen mit Brillen
sind fruchtbarer
Frauen beim Essen
essen wie mit Stäbchen
Frauen mit Lippenstift
gucken einen an
Frauen auf dem Klo
hören sich gut an
Frauen
Frauen betonen ihren Unterleib
sind fruchtbarer
Frauen in S-Bahnen
drängen sich jedem auf
Frauen
Frauen beim Einkaufen
verführen einen
Frauen Frauen mit Brillen
sind fruchtbarer
Frauen beim Essen
essen wie mit Stäbchen
Frauen mit Lippenstift
gucken einen an
Frauen auf dem Klo
hören sich gut an
Frauen
Frauen betonen ihren Unterleib
Freitag, 5. Dezember 2008
Schön...
Donnerstag, 27. November 2008
Der HSV und die Nazis

Heute am Hauptbahnhof: Alles voller HSV-Fans.
Mittendrin: Eine Gruppe Nazis. Klassischer Nazilook: Olivgrüne Bomberjacke,
Springerstiefel bzw. New Balance, ganz kahl geschorener Schädel. Ungefähr Anfang-Mitte Vierzig, eine Gruppe von 6 feisten, aggressiv aussehenden Prachtexemplaren von Nazis. Normalerweise hätte ich Lust gehabt diese zu provozieren, vor allem, weil alles voller Polizisten in Terminator-Schutzanzügen war. Die sahen aber wirklich gefährlich und alkoholisiert aus, so daß ich mich nicht neben die Nazis stellte. Auch die Anderen HSV-Fans nahmen gehörigen Abstand von den Nazis. Plötzlich schallte es von der anderen Seite des S-Bahn Tunnels "Hier marschiert der nationale Widerstand!" Die 5 oder 6 Nazis hiellten ihre Biere in die Höhe, grölten zustimmend und lachten. Die biederen "normalen" Fußballfans reagieren überhaupt nicht, genausowenig wie die Polizei. Ich stelle mich neben einen normalen Fußballfan und sage lautstark, so daß alle Passagiere, die mit uns auf die einfahrende S 31 warteten, mithören konnten: "Ihr habt ein Naziproblem beim HSV!" Antwort: "Wieso?" Ich: "Weil die hier Naziparolen rumgröhlen und auch sonst sehr gut als Nazis zu erkennen sind? Zugegeben, eine Minderheit, aber eine Auffällige und gut sichtbare Minderheit!" "Ja ach es gibt immer sonne und sonne da hab ich ja nix mit zu tun. und was heißt hier "IHR habt ein Problem..."" Ich: "Als normaler HSV-Fan kann man sich doch verantwortlich dafür fühlen." Mindestens 10 HSV-Fans hatten das mitangehört, aber keiner reagierte. das Gespräch war zu Ende. Die Bahn fuhr ein, am Dammtor stieg ich aus.
Donnerstag, 20. November 2008
Grabanien 1951 Vorabversion
Grabanien 1951
1.
Ich ging an die außerhalb meines Lebens.
Und ich ging in die falsche Richtung. Ich tötete mit meinen Lügen,
mit jedem Wort, welches ich damals sagte.
|: So habe ich getan, getan, getan. :|
So habe ich getan.
2.
Über 20 Jahre waren ein Tag meines Lebens,
Und ich gab ihnen frei, zu wissen und nicht zu wissen, was hier geschah.
Alle waren voll Hoffnung und voll Emotionen.
|: So habe ich getan, getan, getan! :|
So habe ich getan.
3.
Sie verließen die Show, doch es dauerte Jahre,
und ich hoffte, selbst freigegeben, verstorben in der Vergangenheit,
doch ich hab stets meinen Weg und gewinne.
|: So habe ich getan, getan, getan! :|
So habe ich getan.
Worte: Nightcrawler, Weise: Sloyment, Gesang: Henning Pfeifer
1.
Ich ging an die außerhalb meines Lebens.
Und ich ging in die falsche Richtung. Ich tötete mit meinen Lügen,
mit jedem Wort, welches ich damals sagte.
|: So habe ich getan, getan, getan. :|
So habe ich getan.
2.
Über 20 Jahre waren ein Tag meines Lebens,
Und ich gab ihnen frei, zu wissen und nicht zu wissen, was hier geschah.
Alle waren voll Hoffnung und voll Emotionen.
|: So habe ich getan, getan, getan! :|
So habe ich getan.
3.
Sie verließen die Show, doch es dauerte Jahre,
und ich hoffte, selbst freigegeben, verstorben in der Vergangenheit,
doch ich hab stets meinen Weg und gewinne.
|: So habe ich getan, getan, getan! :|
So habe ich getan.
Worte: Nightcrawler, Weise: Sloyment, Gesang: Henning Pfeifer
Samstag, 15. November 2008
Donnerstag, 13. November 2008
Liebesleben
Aus dem "Wörterbuch der Sexualwissenschaft" von 1952 unter dem Eintrag "Liebesleben":
...von möglichen Körperstellungen beim Geschlechtsverkehr, die besonders im Leben der östlichen Völker eine Rolle spielen, seien nur die von Van de Velde beschriebenen zehn Haltungen erwähnt. Ihre Kenntnis ist wichtig, nicht nur um den Geschlechtsverkehr abwechlungsreich zu gestalten, sondern vor allem um sich bei chronischen Erkrankungen der Frau oder bei Schwangerschaft richtig verhalten zu können. Van de Velde unterscheidet: A. positio obversa (Vorderseiten gegenüber): 1. Normalhaltung: Frau in Rückenlage, Beine gespreizt. Nicht bei Schwangerschaft in der zweiten Hälfte. 2. Streckhaltung: Frau in Rückenlage, Beine zusammen. Bei ungenügender Erektion des Penis. 3. Beugehaltung: Frau in Rückenlage, Beine im Hüftgelenk stark gebeugt. Bei weiter und schlaffer Scheide, nicht bei Unterentwicklung der weiblichen Genitalien, chronischen Erkrangungen der Eileiter und Eierstöcke und bei Schwangerschaft. 4. Reithaltung: Mann in Rückenlage, Frau im Reitsitz. Schonung des Mannes, aber nicht bei Schwangerschaft, Unterentwicklung oder Erkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane. 5. Vordere Sitzhaltung: Mann sitzt unten, Frau darüber. Schonung der Frau, besonders bei Schwangerschaft. 6. Vordere Seitenlage: Beide in Seitenlage. Beiderseitige Schonung. - B. Positio aversa (Vorderseite des Mannes gegen Rücken der Frau): 7. Bauchlage: Frau in Bauchlage. Nur bei schlanken Personen möglich. 8. Hintere Seitenlage: Beide in Seitenlage. Größte Schonung für beide. Bei Allgemeinerkrankungen, chronischen Entzündungen der weiblichen Geschlechtsorgane und bei Schwangerschaft. 9. Knielage: Frau kniet, Mann kniet oder steht. Zweckmäßig für Befruchtung, nicht in den letzten Monaten der Schwangerschaft. 10. Hintere Sitzhaltung: Mann sitzt, Frau darüber. Bei geringer Erregbarkeit der Frau, Kombination mit digitaler Reizung der Clitoris möglich.
Montag, 10. November 2008
Goten
Goten, ach, wo kamt ihr her?
Euer Ursprung ist umstritten.
Weichselmündung, Skandinavien?
Habt die Donau überschritten,
Anfang des 3. Jahrhunderts.
Großer Gapt, du warst inmitten
deiner Goten Gotenfürst,
und unbestritten
herrschten bei Dir rauhe Sitten.
Sonntag, 9. November 2008
Hamburg-Stew
3 Kartoffeln
1 Dose Mais
1 Dose Champignons
1 Dose weiße Bohnen
1 Packung Sauerkraut
1 Zwiebel
1 Packung Gnocchi
Gemüsebrühe, Salz, Pfeffer
Kartoffeln in etwas Sonnenblumenöl anbraten, dann erst die Bohnen, dann den Mais hinzugeben. Das ganze ca. 10 Min anbraten. Dann beginnt die erste Dünstungsphase:
Ca. 1 1/2 Tassen Wasser mit Gemüsebrühe hinzugeben, warten bis das Wasser verkocht ist. Dann wieder ca. 10 Minuten braten, bei gelegentlichem wenden.
Darauf folgt die zweite Dünstungsphase:
Wieder mit 1 1/2 Tassen Wasser mit Gemüsebrühe auffüllen, Gnocchi hinzugeben, ca. 4 Minuten kochen bzw. dünsten- Fertig.
Guten Appetit!!!
Samstag, 8. November 2008
Montag, 3. November 2008
LAmerika Harburg 2008
Die atomare Sonne hätte einen gebührenden Platz verdient, so daß der Betrachter viel bewußter von ihr be-, an- und verstrahlt würde.
Appetitlich.
Die Totemgesichter illustrierten das infantile Treiben der Party.
Die Ornamentcollage aus den Zielscheiben hat eine gewaltkritisierende Aussage, wenn man die
Farb- und Flächenkomposition im Hintergrund als ein verfremdetes Camouflage deutet.
Freitag, 31. Oktober 2008
Sonntag, 26. Oktober 2008
Fortsetzungsroman "Jessica McCain Radioactive State" Teil Drei

Jessica McCain hatte Angst. Es war dunkel, und Jessica und Buster, ihr braun-schwarzer Schäferhund, hatten das Nachtlager der Goten noch nicht entdeckt. „Hier irgendwo muss es sein.“ Sagte Jessica. Sie betrachtete die mittlerweile vergilbte Postkarte von ihrer Jugendliebe Greiserich, auf der die Lage des Gotenlagers eingezeichnet war. Plötzlich waren sie umstellt von einer Horde Goten. „Verdammt, Goten. Sie sind bewaffnet und gefährlich“ flüsterte Buster. Die Goten waren mit Spitzhacken und Sarnowsky-Pistolen bewaffnet. Grimmig wurden Sie aus dreckigen und primitiven Gesichtern mißtrauisch beäugt. Die Goten stanken nach Schweiß und Schnaps. „Wer mag der Anführer sein?“ fragte Jessica oder Buster.
Ein in Lederkluft bekleideter Gote trat hervor. "Ich bin Greiserich, der Anführer der Zobelgoten." Daraufhin grölten seine Männer und schlugen mit ihren Spitzhacken auf ihre Schilder, um Jesscia und Buster einzuschüchtern. "Das machen sie um uns einzuschüchtern. Lass dir nichts anmerken." Flüsterte der Hund seiner Begleiterin ins Ohr. "Einer von euch beiden muss sterben, der andere wird in unseren Stamm aufgenommen und genießt alle Rechte eines Freien in unserer Gemeinschaft. Wer von euch beiden sterben soll, entscheidet das Los oder ihr führt einen Zweikampf aus, bei dem der Verlierer durch das Schwert des Siegers stirbt." befahl Greiserich. Logischerweise entschieden sich Jessica und Buster für den Zweikampf, um mithilfe eines Tricks sich beide retten zu können. Das gelang auch. Abends gab es ein Gelage mit Riesenfleischspießen und Unmengen Schnaps, Red Bull und Bier, um die beiden neuen Stammesmitglieder willkommen zu heißen. Greiserich erschien mit seiner wunderschönen Gattin Kassandra, einer Seherin. Abfällig schaute Kassandra auf Jessica McCain hinab. Hass flammte in den Augen der Seherin auf, sie war bereit die Nebenbuhlerin bei der ersten Gelegenheit aus dem Weg zu räumen.
Im Laufe des Abends entfernte sich Greiserich von seinen Leuten, um Jessica zu folgen, die sich alleine in den Geröllgarten begeben hatte, um die schöne, klare Mondnacht zu genießen.
"Jessica, du hast mich damals verlassen. Und obwohl du es nicht verdient hast: Ich liebe dich noch immer." Jessica verschlug es die Sprache...
Dienstag, 21. Oktober 2008
British High Yield Nuclear Tests
Es ist mir egal, wenn ich als "pervers" bezeichnet werde.
Kein Bildhauer der Welt kann so monströse, bizarre, gewalttätige und gleichzeitig wunderschöne Skulpturen erschaffen.
Minute 4:12 wird uns alle aufsaugen.
KLICK HIER
Kein Bildhauer der Welt kann so monströse, bizarre, gewalttätige und gleichzeitig wunderschöne Skulpturen erschaffen.
Minute 4:12 wird uns alle aufsaugen.
KLICK HIER
Samstag, 11. Oktober 2008
"Kunst ist meine Religion." Über den schockierenden Alltag in deutschen Nahverkehrszügen und Kunsthallen. Eine Reportage
Gastbeitrag von KONRAD
Herford, Bahnhof, an einem gewöhnlichen Freitag Nachmittag. Markus K. und Stefan B. (Namen von der Redaktion geändert) besteigen den Nahverkehrszug in Richtung Warburg. Ihr Ziel: die Documenta, die weltweit wichtigste Ausstellung für Gegenwartskunst, die wie alle fünf Jahre auch in diesem Jahr in Kassel stattfindet. Doch Markus und Stefan sind keine gewöhnlichen Kunstinteressierten. Sie tragen kurz geschorenes Haar und auf ihren Krawatten steht in Frakturschrift: "Finissage". Markus und Stefan sind Kunst-Hooligans. Gewaltbereite der sogenannten Kategorie C - gewaltsuchend. Und sie sind gut vorbereitet, um an diesem Wochenende, wie an so vielen anderen zuvor, Angst und Schrecken in Deutschland zu verbreiten.
Markus liest aus dem Katalog der Documenta 12, den er sich neben viel Bier am Bahnhof gekauft hat, vor: "'The big exhibition has no form.' Da hat Buergel recht oder wie der Schnurrbarttyp heißt: Zumindest nicht mehr, nachdem wir da waren!" Er lacht schallend und öffnet ein Herforder mit den Zähnen. Stefan, der bereits zu dieser frühen Stunde angetrunken wirkt, stimmt ihm wenig druckreif zu: "Migration der Form? Am Arsch!"
Woher kommt der Hass, der aus diesen Worten spricht? Was treibt die Kunst-Hooligans, meist junge Männer mit festem Einkommen, dazu, Woche für Woche auf der Suche nach Gewalt mit der Bahn zu Galerien, Kunsthallen und Happenings zu fahren? Stefan arbeitet als Ingenieur im Südniedersächsischen, Markus ist Ordinarius für Geschichtswissenschaft an einer deutschen Universität. Berufe, in denen sie sich früher begeistert engagiert haben, bis sie merkten, wie wenig Abwechslung ihre Arbeit auf Dauer bietet. Der daraus resultierende Frust wollte abgebaut sein. So gründeten die beiden eines Abends in bierseliger Runde die "Herforder Finissage". "Da, wo wir sind, ist immer Finissage, oft schon am ersten Tag der Ausstellung", erläutert Markus augenzwinkernd und schlägt mit der rechten Faust in die flache linke Hand. Markus und Stefan sind in der Szene als "Allesfahrer" bekannt - von der kleinsten Ausstellung im Schloss Gottorf bis hin zur MoMa sind sie überall dort, wo sie noch nicht Ausstellungsverbot haben und suchen ihre spezielle Form von Abenteuer. "Wir arbeiten an einem erweiterten Kunstbegriff", sagt Stefan drohend und lässt ein Butterflymesser geschickt durch seine Finger gleiten.
Von Montag bis Freitag, zwischen Proseminar und Netmeeting, sind Kunst-Hooligans ganz normale Bürger. Unauffällig und perfekt angepasst. Erst wenn sie sich am Wochenende in ihrer "Kluft" (mit Hornbrille, Jackett und einer Aktentasche voller Bier bewaffnet) in den Zug setzen, verwandeln sie sich in die Sorte von Bahnfahrern, wegen derer man lieber das Abteil wechselt. "Goya ist Kunsthandwerk!" und "Donald Judd ist homosexuell!", so gellen ihre stumpfsinnigen Rufe durch den Zug. Das rhythmische Händeklatschen und die markerschütternde Zwölftonmusik aus ihren voll aufgedrehten Handys tun ein Übriges, um so genannten "Gegnern" Furcht einzuflößen.
Doch wer sind diese Gegner? Schwer zu sagen. Kunst-Hools sind auch deshalb so gefährlich, weil sich ihre diffuse Wut gegen alles und jeden entladen kann. "Fluxus ist bis heute total überbewertet", redet Markus sich in Rage, "fließender Übergang zwischen Kunst und Leben, Aktionskunst, Happenings, das ganze Pipapo. Und heute liegen die Sachen in den Museen und sind voll in der institutionalisierten Kunst aufgegangen!" Und Stefan, der gerade aus einem kurzen Nickerchen erwacht, ergänzt scheinbar zusammenhanglos: "Minimal Art? Am Arsch!"
Umstieg in Altenbeken. Markus und Stefan füllen ihre Aktentaschen mit Paderborner Goldbräu auf. Auf einmal erschrecke ich: Der Bürgerverein Hameln auf dem Weg zur großen Dortmunder Expressionismus-Ausstellung steigt ebenfalls in Altenbeken um. Markus und Stefan werfen sich in Drohposen und stoßen Schmährufe aus. Ich sehe mich nach Polizeischutz um: Fehlanzeige. Rund um Kassel versucht die Polizei alles, um während der Documenta Herr der Lage zu bleiben, doch jeden Provinzbahnhof zwischen zwei Ausstellungen kann sie nicht überwachen. Es kommt jedoch - noch - nicht zum Äußersten. Die rüstigen Senioren aus Hameln steigen, wohl aufgrund ihrer Schwerhörigkeit die Gefahr nicht ahnend, seelenruhig in den RegionalExpress nach Hamm und auch Stefan und Markus sprinten schließlich zum Zug, um noch rechtzeitig nach Kassel zu kommen.
Zeit für mich, den beiden die Frage nach ihrer Motivation zu stellen. Wozu tun sie sich das jedes Wochenende an: die hohen Eintrittspreise, die langen Fahrten, stundenlanges Herumgehen in klimatisierten Räumen? "Kunst ist meine Religion", so Markus, der inzwischen vernehmlich lallt und dem beim Lesen fast der Baudrillard aus der tätowierten Hand gefallen wäre. Stefan ergänzt: "Wenn ich am Wochenende mit all den anderen Kunstverrückten im Hamburger Bahnhof oder in der Neuen Pinakothek stehe, dann weiß ich: Hier gehörst du hin. Da zählt nicht, was du arbeitest oder wie viel Geld du verdienst - da zählt nur unsere Trinkfestigkeit und unser gemeinsamer Hass auf alle Kunstrichtungen, die wir nicht verstehen."
"Die Expressionismus-Omas gerade haben verdammtes Glück gehabt...", tönt Stefan weiter, "Schmidt-Rottluff? Am Arsch!" Und beide beginnen wieder ihre archaischen Lieder zu singen: "2010, ihr werdet es schon sehen: Wir holen den T-T-Turnerpreis und wir lesen Wilhelm Meister - Meister!!!" Darauf lachen beide, scheinbar voller Freude. Doch es ist in Wahrheit ein Lachen voller Hass, das Angst macht.
Herford, Bahnhof, an einem gewöhnlichen Freitag Nachmittag. Markus K. und Stefan B. (Namen von der Redaktion geändert) besteigen den Nahverkehrszug in Richtung Warburg. Ihr Ziel: die Documenta, die weltweit wichtigste Ausstellung für Gegenwartskunst, die wie alle fünf Jahre auch in diesem Jahr in Kassel stattfindet. Doch Markus und Stefan sind keine gewöhnlichen Kunstinteressierten. Sie tragen kurz geschorenes Haar und auf ihren Krawatten steht in Frakturschrift: "Finissage". Markus und Stefan sind Kunst-Hooligans. Gewaltbereite der sogenannten Kategorie C - gewaltsuchend. Und sie sind gut vorbereitet, um an diesem Wochenende, wie an so vielen anderen zuvor, Angst und Schrecken in Deutschland zu verbreiten.
Markus liest aus dem Katalog der Documenta 12, den er sich neben viel Bier am Bahnhof gekauft hat, vor: "'The big exhibition has no form.' Da hat Buergel recht oder wie der Schnurrbarttyp heißt: Zumindest nicht mehr, nachdem wir da waren!" Er lacht schallend und öffnet ein Herforder mit den Zähnen. Stefan, der bereits zu dieser frühen Stunde angetrunken wirkt, stimmt ihm wenig druckreif zu: "Migration der Form? Am Arsch!"
Woher kommt der Hass, der aus diesen Worten spricht? Was treibt die Kunst-Hooligans, meist junge Männer mit festem Einkommen, dazu, Woche für Woche auf der Suche nach Gewalt mit der Bahn zu Galerien, Kunsthallen und Happenings zu fahren? Stefan arbeitet als Ingenieur im Südniedersächsischen, Markus ist Ordinarius für Geschichtswissenschaft an einer deutschen Universität. Berufe, in denen sie sich früher begeistert engagiert haben, bis sie merkten, wie wenig Abwechslung ihre Arbeit auf Dauer bietet. Der daraus resultierende Frust wollte abgebaut sein. So gründeten die beiden eines Abends in bierseliger Runde die "Herforder Finissage". "Da, wo wir sind, ist immer Finissage, oft schon am ersten Tag der Ausstellung", erläutert Markus augenzwinkernd und schlägt mit der rechten Faust in die flache linke Hand. Markus und Stefan sind in der Szene als "Allesfahrer" bekannt - von der kleinsten Ausstellung im Schloss Gottorf bis hin zur MoMa sind sie überall dort, wo sie noch nicht Ausstellungsverbot haben und suchen ihre spezielle Form von Abenteuer. "Wir arbeiten an einem erweiterten Kunstbegriff", sagt Stefan drohend und lässt ein Butterflymesser geschickt durch seine Finger gleiten.
Von Montag bis Freitag, zwischen Proseminar und Netmeeting, sind Kunst-Hooligans ganz normale Bürger. Unauffällig und perfekt angepasst. Erst wenn sie sich am Wochenende in ihrer "Kluft" (mit Hornbrille, Jackett und einer Aktentasche voller Bier bewaffnet) in den Zug setzen, verwandeln sie sich in die Sorte von Bahnfahrern, wegen derer man lieber das Abteil wechselt. "Goya ist Kunsthandwerk!" und "Donald Judd ist homosexuell!", so gellen ihre stumpfsinnigen Rufe durch den Zug. Das rhythmische Händeklatschen und die markerschütternde Zwölftonmusik aus ihren voll aufgedrehten Handys tun ein Übriges, um so genannten "Gegnern" Furcht einzuflößen.
Doch wer sind diese Gegner? Schwer zu sagen. Kunst-Hools sind auch deshalb so gefährlich, weil sich ihre diffuse Wut gegen alles und jeden entladen kann. "Fluxus ist bis heute total überbewertet", redet Markus sich in Rage, "fließender Übergang zwischen Kunst und Leben, Aktionskunst, Happenings, das ganze Pipapo. Und heute liegen die Sachen in den Museen und sind voll in der institutionalisierten Kunst aufgegangen!" Und Stefan, der gerade aus einem kurzen Nickerchen erwacht, ergänzt scheinbar zusammenhanglos: "Minimal Art? Am Arsch!"
Umstieg in Altenbeken. Markus und Stefan füllen ihre Aktentaschen mit Paderborner Goldbräu auf. Auf einmal erschrecke ich: Der Bürgerverein Hameln auf dem Weg zur großen Dortmunder Expressionismus-Ausstellung steigt ebenfalls in Altenbeken um. Markus und Stefan werfen sich in Drohposen und stoßen Schmährufe aus. Ich sehe mich nach Polizeischutz um: Fehlanzeige. Rund um Kassel versucht die Polizei alles, um während der Documenta Herr der Lage zu bleiben, doch jeden Provinzbahnhof zwischen zwei Ausstellungen kann sie nicht überwachen. Es kommt jedoch - noch - nicht zum Äußersten. Die rüstigen Senioren aus Hameln steigen, wohl aufgrund ihrer Schwerhörigkeit die Gefahr nicht ahnend, seelenruhig in den RegionalExpress nach Hamm und auch Stefan und Markus sprinten schließlich zum Zug, um noch rechtzeitig nach Kassel zu kommen.
Zeit für mich, den beiden die Frage nach ihrer Motivation zu stellen. Wozu tun sie sich das jedes Wochenende an: die hohen Eintrittspreise, die langen Fahrten, stundenlanges Herumgehen in klimatisierten Räumen? "Kunst ist meine Religion", so Markus, der inzwischen vernehmlich lallt und dem beim Lesen fast der Baudrillard aus der tätowierten Hand gefallen wäre. Stefan ergänzt: "Wenn ich am Wochenende mit all den anderen Kunstverrückten im Hamburger Bahnhof oder in der Neuen Pinakothek stehe, dann weiß ich: Hier gehörst du hin. Da zählt nicht, was du arbeitest oder wie viel Geld du verdienst - da zählt nur unsere Trinkfestigkeit und unser gemeinsamer Hass auf alle Kunstrichtungen, die wir nicht verstehen."
"Die Expressionismus-Omas gerade haben verdammtes Glück gehabt...", tönt Stefan weiter, "Schmidt-Rottluff? Am Arsch!" Und beide beginnen wieder ihre archaischen Lieder zu singen: "2010, ihr werdet es schon sehen: Wir holen den T-T-Turnerpreis und wir lesen Wilhelm Meister - Meister!!!" Darauf lachen beide, scheinbar voller Freude. Doch es ist in Wahrheit ein Lachen voller Hass, das Angst macht.
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