Montag, 15. Dezember 2008

Frauen

Frauen mit Brillen
sind fruchtbarer
Frauen in S-Bahnen
drängen sich jedem auf
Frauen
Frauen beim Einkaufen
verführen einen
Frauen Frauen mit Brillen
sind fruchtbarer
Frauen beim Essen
essen wie mit Stäbchen
Frauen mit Lippenstift
gucken einen an
Frauen auf dem Klo
hören sich gut an
Frauen
Frauen betonen ihren Unterleib

Freitag, 5. Dezember 2008

Schön...




Text:

Vermisst
Hat schön zulange seine Medikamente nicht bekommen
Bitte helfen sie mir diese Tier zu retten
Sehr ängstlich und orientierungsloss
Haben sie ihn gesehen oder haben sie sogar irgendwelche Informationen dann, bitte melden

Wird belohnt

Donnerstag, 27. November 2008

Der HSV und die Nazis


Heute am Hauptbahnhof: Alles voller HSV-Fans.
Mittendrin: Eine Gruppe Nazis. Klassischer Nazilook: Olivgrüne Bomberjacke,
Springerstiefel bzw. New Balance, ganz kahl geschorener Schädel. Ungefähr Anfang-Mitte Vierzig, eine Gruppe von 6 feisten, aggressiv aussehenden Prachtexemplaren von Nazis. Normalerweise hätte ich Lust gehabt diese zu provozieren, vor allem, weil alles voller Polizisten in Terminator-Schutzanzügen war. Die sahen aber wirklich gefährlich und alkoholisiert aus, so daß ich mich nicht neben die Nazis stellte. Auch die Anderen HSV-Fans nahmen gehörigen Abstand von den Nazis. Plötzlich schallte es von der anderen Seite des S-Bahn Tunnels "Hier marschiert der nationale Widerstand!" Die 5 oder 6 Nazis hiellten ihre Biere in die Höhe, grölten zustimmend und lachten. Die biederen "normalen" Fußballfans reagieren überhaupt nicht, genausowenig wie die Polizei. Ich stelle mich neben einen normalen Fußballfan und sage lautstark, so daß alle Passagiere, die mit uns auf die einfahrende S 31 warteten, mithören konnten: "Ihr habt ein Naziproblem beim HSV!" Antwort: "Wieso?" Ich: "Weil die hier Naziparolen rumgröhlen und auch sonst sehr gut als Nazis zu erkennen sind? Zugegeben, eine Minderheit, aber eine Auffällige und gut sichtbare Minderheit!" "Ja ach es gibt immer sonne und sonne da hab ich ja nix mit zu tun. und was heißt hier "IHR habt ein Problem..."" Ich: "Als normaler HSV-Fan kann man sich doch verantwortlich dafür fühlen." Mindestens 10 HSV-Fans hatten das mitangehört, aber keiner reagierte. das Gespräch war zu Ende. Die Bahn fuhr ein, am Dammtor stieg ich aus.

Donnerstag, 20. November 2008

Grabanien 1951 Vorabversion

Grabanien 1951

1.
Ich ging an die außerhalb meines Lebens.
Und ich ging in die falsche Richtung. Ich tötete mit meinen Lügen,
mit jedem Wort, welches ich damals sagte.
|: So habe ich getan, getan, getan. :|
So habe ich getan.

2.
Über 20 Jahre waren ein Tag meines Lebens,
Und ich gab ihnen frei, zu wissen und nicht zu wissen, was hier geschah.
Alle waren voll Hoffnung und voll Emotionen.
|: So habe ich getan, getan, getan! :|
So habe ich getan.



3.
Sie verließen die Show, doch es dauerte Jahre,
und ich hoffte, selbst freigegeben, verstorben in der Vergangenheit,
doch ich hab stets meinen Weg und gewinne.
|: So habe ich getan, getan, getan! :|
So habe ich getan.

Worte: Nightcrawler, Weise: Sloyment, Gesang: Henning Pfeifer

Donnerstag, 13. November 2008

Liebesleben


Aus dem "Wörterbuch der Sexualwissenschaft" von 1952 unter dem Eintrag "Liebesleben":

...von möglichen Körperstellungen beim Geschlechtsverkehr, die besonders im Leben der östlichen Völker eine Rolle spielen, seien nur die von Van de Velde beschriebenen zehn Haltungen erwähnt. Ihre Kenntnis ist wichtig, nicht nur um den Geschlechtsverkehr abwechlungsreich zu gestalten, sondern vor allem um sich bei chronischen Erkrankungen der Frau oder bei Schwangerschaft richtig verhalten zu können. Van de Velde unterscheidet: A. positio obversa (Vorderseiten gegenüber): 1. Normalhaltung: Frau in Rückenlage, Beine gespreizt. Nicht bei Schwangerschaft in der zweiten Hälfte. 2. Streckhaltung: Frau in Rückenlage, Beine zusammen. Bei ungenügender Erektion des Penis. 3. Beugehaltung: Frau in Rückenlage, Beine im Hüftgelenk stark gebeugt. Bei weiter und schlaffer Scheide, nicht bei Unterentwicklung der weiblichen Genitalien, chronischen Erkrangungen der Eileiter und Eierstöcke und bei Schwangerschaft. 4. Reithaltung: Mann in Rückenlage, Frau im Reitsitz. Schonung des Mannes, aber nicht bei Schwangerschaft, Unterentwicklung oder Erkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane. 5. Vordere Sitzhaltung: Mann sitzt unten, Frau darüber. Schonung der Frau, besonders bei Schwangerschaft. 6. Vordere Seitenlage: Beide in Seitenlage. Beiderseitige Schonung. - B. Positio aversa (Vorderseite des Mannes gegen Rücken der Frau): 7. Bauchlage: Frau in Bauchlage. Nur bei schlanken Personen möglich. 8. Hintere Seitenlage: Beide in Seitenlage. Größte Schonung für beide. Bei Allgemeinerkrankungen, chronischen Entzündungen der weiblichen Geschlechtsorgane und bei Schwangerschaft. 9. Knielage: Frau kniet, Mann kniet oder steht. Zweckmäßig für Befruchtung, nicht in den letzten Monaten der Schwangerschaft. 10. Hintere Sitzhaltung: Mann sitzt, Frau darüber. Bei geringer Erregbarkeit der Frau, Kombination mit digitaler Reizung der Clitoris möglich.

Montag, 10. November 2008

Goten


Goten, ach, wo kamt ihr her?
Euer Ursprung ist umstritten.
Weichselmündung, Skandinavien?
Habt die Donau überschritten,
Anfang des 3. Jahrhunderts.
Großer Gapt, du warst inmitten
deiner Goten Gotenfürst,
und unbestritten
herrschten bei Dir rauhe Sitten.

Sonntag, 9. November 2008

Hamburg-Stew



3 Kartoffeln
1 Dose Mais
1 Dose Champignons
1 Dose weiße Bohnen
1 Packung Sauerkraut
1 Zwiebel
1 Packung Gnocchi
Gemüsebrühe, Salz, Pfeffer


Kartoffeln in etwas Sonnenblumenöl anbraten, dann erst die Bohnen, dann den Mais hinzugeben. Das ganze ca. 10 Min anbraten. Dann beginnt die erste Dünstungsphase:
Ca. 1 1/2 Tassen Wasser mit Gemüsebrühe hinzugeben, warten bis das Wasser verkocht ist. Dann wieder ca. 10 Minuten braten, bei gelegentlichem wenden.
Darauf folgt die zweite Dünstungsphase:
Wieder mit 1 1/2 Tassen Wasser mit Gemüsebrühe auffüllen, Gnocchi hinzugeben, ca. 4 Minuten kochen bzw. dünsten- Fertig.

Guten Appetit!!!

Montag, 3. November 2008

LAmerika Harburg 2008

Kunststudentenkunst ist immer sone Sache. Zumindest, wenn es auf einer Ausstellung für Kunststtudenten ausgestellt wird. Man wird den Verdacht nicht los, dass die Kunst nur bloße Alibifunktion hat, um ungehindert eine gute Party zu feiern. Wogegen ja grundsätzlich auch nichts einzuwenden ist. Trotzdem fällt es schwer, die meist abstrakten Werke zu beschreiben. Kein erkennbarer gemeinsamer Kontext, kein übergeordnetes Thema, keinerlei Umklammerung lassen die Werke als achtloses Beiwerk unbemerkt in den Ecken stehen.

Die atomare Sonne hätte einen gebührenden Platz verdient, so daß der Betrachter viel bewußter von ihr be-, an- und verstrahlt würde.
Appetitlich.

Die Totemgesichter illustrierten das infantile Treiben der Party.

Die Ornamentcollage aus den Zielscheiben hat eine gewaltkritisierende Aussage, wenn man die
Farb- und Flächenkomposition im Hintergrund als ein verfremdetes Camouflage deutet.


Freitag, 31. Oktober 2008

SATAN


Heute abend endlich werde ich eingeweiht in den Orden des 'Ndrugaa-Basch.

Sonntag, 26. Oktober 2008

Fortsetzungsroman "Jessica McCain Radioactive State" Teil Drei


Jessica McCain hatte Angst. Es war dunkel, und Jessica und Buster, ihr braun-schwarzer Schäferhund, hatten das Nachtlager der Goten noch nicht entdeckt. „Hier irgendwo muss es sein.“ Sagte Jessica. Sie betrachtete die mittlerweile vergilbte Postkarte von ihrer Jugendliebe Greiserich, auf der die Lage des Gotenlagers eingezeichnet war. Plötzlich waren sie umstellt von einer Horde Goten. „Verdammt, Goten. Sie sind bewaffnet und gefährlich“ flüsterte Buster. Die Goten waren mit Spitzhacken und Sarnowsky-Pistolen bewaffnet. Grimmig wurden Sie aus dreckigen und primitiven Gesichtern mißtrauisch beäugt. Die Goten stanken nach Schweiß und Schnaps. „Wer mag der Anführer sein?“ fragte Jessica oder Buster.
Ein in Lederkluft bekleideter Gote trat hervor. "Ich bin Greiserich, der Anführer der Zobelgoten." Daraufhin grölten seine Männer und schlugen mit ihren Spitzhacken auf ihre Schilder, um Jesscia und Buster einzuschüchtern. "Das machen sie um uns einzuschüchtern. Lass dir nichts anmerken." Flüsterte der Hund seiner Begleiterin ins Ohr. "Einer von euch beiden muss sterben, der andere wird in unseren Stamm aufgenommen und genießt alle Rechte eines Freien in unserer Gemeinschaft. Wer von euch beiden sterben soll, entscheidet das Los oder ihr führt einen Zweikampf aus, bei dem der Verlierer durch das Schwert des Siegers stirbt." befahl Greiserich. Logischerweise entschieden sich Jessica und Buster für den Zweikampf, um mithilfe eines Tricks sich beide retten zu können. Das gelang auch. Abends gab es ein Gelage mit Riesenfleischspießen und Unmengen Schnaps, Red Bull und Bier, um die beiden neuen Stammesmitglieder willkommen zu heißen. Greiserich erschien mit seiner wunderschönen Gattin Kassandra, einer Seherin. Abfällig schaute Kassandra auf Jessica McCain hinab. Hass flammte in den Augen der Seherin auf, sie war bereit die Nebenbuhlerin bei der ersten Gelegenheit aus dem Weg zu räumen.
Im Laufe des Abends entfernte sich Greiserich von seinen Leuten, um Jessica zu folgen, die sich alleine in den Geröllgarten begeben hatte, um die schöne, klare Mondnacht zu genießen.
"Jessica, du hast mich damals verlassen. Und obwohl du es nicht verdient hast: Ich liebe dich noch immer." Jessica verschlug es die Sprache...

Dienstag, 21. Oktober 2008

British High Yield Nuclear Tests

Es ist mir egal, wenn ich als "pervers" bezeichnet werde.
Kein Bildhauer der Welt kann so monströse, bizarre, gewalttätige und gleichzeitig wunderschöne Skulpturen erschaffen.
Minute 4:12 wird uns alle aufsaugen.

KLICK HIER

Samstag, 11. Oktober 2008

"Kunst ist meine Religion." Über den schockierenden Alltag in deutschen Nahverkehrszügen und Kunsthallen. Eine Reportage

Gastbeitrag von KONRAD

Herford, Bahnhof, an einem gewöhnlichen Freitag Nachmittag. Markus K. und Stefan B. (Namen von der Redaktion geändert) besteigen den Nahverkehrszug in Richtung Warburg. Ihr Ziel: die Documenta, die weltweit wichtigste Ausstellung für Gegenwartskunst, die wie alle fünf Jahre auch in diesem Jahr in Kassel stattfindet. Doch Markus und Stefan sind keine gewöhnlichen Kunstinteressierten. Sie tragen kurz geschorenes Haar und auf ihren Krawatten steht in Frakturschrift: "Finissage". Markus und Stefan sind Kunst-Hooligans. Gewaltbereite der sogenannten Kategorie C - gewaltsuchend. Und sie sind gut vorbereitet, um an diesem Wochenende, wie an so vielen anderen zuvor, Angst und Schrecken in Deutschland zu verbreiten.

Markus liest aus dem Katalog der Documenta 12, den er sich neben viel Bier am Bahnhof gekauft hat, vor: "'The big exhibition has no form.' Da hat Buergel recht oder wie der Schnurrbarttyp heißt: Zumindest nicht mehr, nachdem wir da waren!" Er lacht schallend und öffnet ein Herforder mit den Zähnen. Stefan, der bereits zu dieser frühen Stunde angetrunken wirkt, stimmt ihm wenig druckreif zu: "Migration der Form? Am Arsch!"

Woher kommt der Hass, der aus diesen Worten spricht? Was treibt die Kunst-Hooligans, meist junge Männer mit festem Einkommen, dazu, Woche für Woche auf der Suche nach Gewalt mit der Bahn zu Galerien, Kunsthallen und Happenings zu fahren? Stefan arbeitet als Ingenieur im Südniedersächsischen, Markus ist Ordinarius für Geschichtswissenschaft an einer deutschen Universität. Berufe, in denen sie sich früher begeistert engagiert haben, bis sie merkten, wie wenig Abwechslung ihre Arbeit auf Dauer bietet. Der daraus resultierende Frust wollte abgebaut sein. So gründeten die beiden eines Abends in bierseliger Runde die "Herforder Finissage". "Da, wo wir sind, ist immer Finissage, oft schon am ersten Tag der Ausstellung", erläutert Markus augenzwinkernd und schlägt mit der rechten Faust in die flache linke Hand. Markus und Stefan sind in der Szene als "Allesfahrer" bekannt - von der kleinsten Ausstellung im Schloss Gottorf bis hin zur MoMa sind sie überall dort, wo sie noch nicht Ausstellungsverbot haben und suchen ihre spezielle Form von Abenteuer. "Wir arbeiten an einem erweiterten Kunstbegriff", sagt Stefan drohend und lässt ein Butterflymesser geschickt durch seine Finger gleiten.

Von Montag bis Freitag, zwischen Proseminar und Netmeeting, sind Kunst-Hooligans ganz normale Bürger. Unauffällig und perfekt angepasst. Erst wenn sie sich am Wochenende in ihrer "Kluft" (mit Hornbrille, Jackett und einer Aktentasche voller Bier bewaffnet) in den Zug setzen, verwandeln sie sich in die Sorte von Bahnfahrern, wegen derer man lieber das Abteil wechselt. "Goya ist Kunsthandwerk!" und "Donald Judd ist homosexuell!", so gellen ihre stumpfsinnigen Rufe durch den Zug. Das rhythmische Händeklatschen und die markerschütternde Zwölftonmusik aus ihren voll aufgedrehten Handys tun ein Übriges, um so genannten "Gegnern" Furcht einzuflößen.

Doch wer sind diese Gegner? Schwer zu sagen. Kunst-Hools sind auch deshalb so gefährlich, weil sich ihre diffuse Wut gegen alles und jeden entladen kann. "Fluxus ist bis heute total überbewertet", redet Markus sich in Rage, "fließender Übergang zwischen Kunst und Leben, Aktionskunst, Happenings, das ganze Pipapo. Und heute liegen die Sachen in den Museen und sind voll in der institutionalisierten Kunst aufgegangen!" Und Stefan, der gerade aus einem kurzen Nickerchen erwacht, ergänzt scheinbar zusammenhanglos: "Minimal Art? Am Arsch!"


Umstieg in Altenbeken. Markus und Stefan füllen ihre Aktentaschen mit Paderborner Goldbräu auf. Auf einmal erschrecke ich: Der Bürgerverein Hameln auf dem Weg zur großen Dortmunder Expressionismus-Ausstellung steigt ebenfalls in Altenbeken um. Markus und Stefan werfen sich in Drohposen und stoßen Schmährufe aus. Ich sehe mich nach Polizeischutz um: Fehlanzeige. Rund um Kassel versucht die Polizei alles, um während der Documenta Herr der Lage zu bleiben, doch jeden Provinzbahnhof zwischen zwei Ausstellungen kann sie nicht überwachen. Es kommt jedoch - noch - nicht zum Äußersten. Die rüstigen Senioren aus Hameln steigen, wohl aufgrund ihrer Schwerhörigkeit die Gefahr nicht ahnend, seelenruhig in den RegionalExpress nach Hamm und auch Stefan und Markus sprinten schließlich zum Zug, um noch rechtzeitig nach Kassel zu kommen.

Zeit für mich, den beiden die Frage nach ihrer Motivation zu stellen. Wozu tun sie sich das jedes Wochenende an: die hohen Eintrittspreise, die langen Fahrten, stundenlanges Herumgehen in klimatisierten Räumen? "Kunst ist meine Religion", so Markus, der inzwischen vernehmlich lallt und dem beim Lesen fast der Baudrillard aus der tätowierten Hand gefallen wäre. Stefan ergänzt: "Wenn ich am Wochenende mit all den anderen Kunstverrückten im Hamburger Bahnhof oder in der Neuen Pinakothek stehe, dann weiß ich: Hier gehörst du hin. Da zählt nicht, was du arbeitest oder wie viel Geld du verdienst - da zählt nur unsere Trinkfestigkeit und unser gemeinsamer Hass auf alle Kunstrichtungen, die wir nicht verstehen."

"Die Expressionismus-Omas gerade haben verdammtes Glück gehabt...", tönt Stefan weiter, "Schmidt-Rottluff? Am Arsch!" Und beide beginnen wieder ihre archaischen Lieder zu singen: "2010, ihr werdet es schon sehen: Wir holen den T-T-Turnerpreis und wir lesen Wilhelm Meister - Meister!!!" Darauf lachen beide, scheinbar voller Freude. Doch es ist in Wahrheit ein Lachen voller Hass, das Angst macht.

Montag, 6. Oktober 2008

Wer ist John Sinclair?




An was denken Sie, wenn Sie den Namen "John Sinclair" hören? Richtig: An die fiktive Romanfigur, den Geisterjäger "John Sinclair", erfunden von Helmut Rellergerd alias Jason Dark.
Seit 1973 wurden über 1800 John-Sinclair Hefte veröffentlicht, von denen über drei Viertel aus der Feder Rellergelds stammen. Die Qualität ist sehr unterschiedlich, trotzdem sind die alten Romane ("Der gelbe Satan") sehr viel gruseliger, härter , zynischer.

Menschen aus dem englischsprachigen Raum denken aber nicht an Trivialliteratur, sondern an die "kulturelle Legende" (Zitat Octavio Carrasco) John Sinclair.
Dieser Mann ist 1941 geboren und war seinerzeit Mitglied der Protestmusikgruppe MC 5, Ideologe bei der "White Panther Party" und Befürworter der Legalisierung von Marihuana in den USA. Da er Zivilfahndern zwei Joints verkauft hatte, sollte er 10 Jahre ins Gefängnis.
Daher starteten 1971 berühmte Künstler wie Yoko Ono, Uriah Heep und andere die "Free John Sinclair Rally". Tatsächlich revidierte der oberste Gerichtshof von Michigan das Urteil kurze Zeit später.
Lesenswert sind wohl auch seine Gedichte. Wer welche findet, mag sie doch bitte in die Kommentarleiste posten. Zur Zeit lebt er in Amsterdam und beschäftigt sich dort mit Journalismus und der rechtlichen Situation der Marihuana-Kultur.

Montag, 29. September 2008

29.September 2008

Rückblick: Wie Greiserich und Jessica McCain sich kennenlernten

An dem Tag, als Jessica McCain die Universtity des Beaux Arts of Plymphton verliess, hatte sie sich verliebt. Es war September, Indian Summer, die Bäume hatten ihre schönsten und buntesten Kleider aus dem Schrank geholt. Es war die Zeit von Pflaumenkompott und von ersten Erkältungen, die von den Betroffenen noch als sehr ungerecht empfunden wurden. Das legt sich ja im Laufe des fortschreitenden Jahres, wenn es früher oder später jeden erwischt. Jedoch im September, wenn es eigentlich noch ganz schön warm ist, und man doch noch vorhat, dieses Jahr endlich einmal im See baden zu gehen, kann eine Erkältung -noch dazu eine heftige- zu einer Krise des Selbstbewusstsein führen, mit der man nicht spaßen sollte. In einer solchen Verfassung befand sich Jessica. Sie war eines Morgens nach dem Duschen mit feuchten Haaren aus dem Haus gegangen, war in einen Bus gestiegen und zur Universität gefahren. In Bussen finden sich natürlich die artenreichsten Virenbiotope. Im Bus machte sie Eintragungen in ihr Tagebuch, das sie führte, um ihre Wahrnehmung zu schärfen und sich ihrer selbst bewusst zu werden. Dies konnte sowohl für Poesie als auch für Sexualpraktiken des 20.Jahrhunderts in den USA von Nutzen sein, beides ihre Hauptfächer an der UdBA of Plymphton. Und während sie schrieb, merkte sie nicht, wie sich eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter neben sie setzte. Dieses Kind rieb seine verrotzte Nase an Jessicas orangenen Nickipullover, der damals zum zweiten Mal in Mode war. Und diesem Kind, einem namenlosen Bakterienherd, hatte sie nun, drei Tage später, Kopf-und Gliederschmerzen zu verdanken, die sich gewaschen hatten. Jessica war eine pflichtbewuste junge Studentin, und so wägte sie sorgsam ab: Sollte sie a) zu hause bleiben, das Seminar über die Rolle der Missionarsstellung in gleichgeschlechtlichen Beziehungen verpassen, somit ihre Mitstudenten vor einer Ansteckung bewahren oder b) trotzdem gehen, sich im Seminar für ein Referat melden und beim Niesen darauf achten, dass alles vom Taschentuch abgefangen würde? Jessica entschied sich für b) und kaum an der Uni angelangt, hatte sie schon keine Taschentücher mehr. Alle aufgebraucht im Bus.
Jessica schaute sich um: wer sah aus, als hätte er ein Taschentuch dabei? Niemand. Es standen nur ein paar Halbstarke vor dem Eingang, die Kaugummi kauten. "Einen davon muss ich fragen", dachte Jesicca. Sie ging auf einen Typen zu, der mit zusammengekniffenen Augen in den Himmel schaute.
"Entschuldige, hast Du ein Taschentuch dabei?" fragte Jessica. Zu dieser Zeit hatte sie noch ein verhältnismässig unverkrampftes Verhältnis zu fremden Leuten, jedenfalls konnte sie ihnen gegenüber Worte formulieren und dabei fast in das Gesicht des Gesprächspartners blicken.
"Sieht nicht nach Regen aus", sagte der Typ.
"Was?" fragte Jessica, "ich meine: Pardon?"
"Ich brauche neimals Taschentücher, Schwester,
meine Name ist Greiserich,
ich kränkle auf dieser Reise nicht,
die sich Leben nennt,
ich bin nicht verpennt
und passt Du nicht auf,
dann verspeis ich Dich."

Jessica drehte sich um und rannte durch den Eingang hinein ín die schützenden Räume der Sexualwissenschaftlichen Fakultät.

Mittwoch, 3. September 2008

Fortsetzungsroman "Jessica McCain Radioactive State" Teil Zwei


Jessica McCain war unterwegs, sie mußte raus aus der Stadt. Mit dabei war ihr Hund Buster, der gleichzeitig ihr bester Freund war.
Endlich waren die beiden raus aus der Stadt und auf dem Land. Nach einem unspektakulären Sonnenuntergang befanden sie sich in einer staubigen Ebene, die mit verdorrten Sträuchern bewachsen war. Hinter ihnen lag die Stadt, die einst die Heimat von Jessica McCain und jetzt ein so unfreundlicher Ort war. Vor ihnen am Horizont zeichneten sich die Umrisse eines Höhenzugs ab.
"Wir müssen diese Ebene durchqueren" bemerkte Buster, der schwarz-weiß gescheckte Hirtenhund "Und zwar müssen wir jetzt in der Dunkelheit so weit kommen wie nur möglich, da tagsüber die sengende Sonne unseren Tod bedeuten kann." Also machten sie sich auf den Weg in die Lakotaberge, wo Jessica Unterschlupf bei einer Bande Goten finden wollte, die dort ihr Winterquartier aufgeschlagen hatten. Jessica McCain wusste nur den Namen des Anführers der Goten. Er hieß Greiserich, die beiden kannten sich aus früheren, besseren Tagen, als sie zusammen Poesie und Sexualpraktik an der Universität ihrer Heimatstadt studierten.
Ein mulmiges Gefühl beschlich Jessica, für die eine Reise in eine ungewisse Zukunft gerade erst angefangen hatte...

Samstag, 30. August 2008

Menschen bei Nacht





Menschen bei Nacht

Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.
Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht,
und du sollst ihn nicht suchen trotzdem.
Und machst du nachts deine Stube licht,
um Menschen zu schauen ins Angesicht,
so musst du bedenken: wem.

Die Menschen sind furchtbar vom Licht entstellt,
das von ihren Gesichtern träuft,
und haben sie nachts sich zusammengesellt,
so schaust du eine wankende Welt
durcheinandergehäuft.
Auf ihren Stirnen hat gelber Schein
alle Gedanken verdrängt,
in ihren Blicken flackert der Wein,
an ihren Händen hängt
die schwere Gebärde, mit der sie sich
bei ihren Gesprächen verstehn;
und dabei sagen sie: Ich und Ich
und meinen: Irgendwen.

Rainer Maria Rilke

Freitag, 8. August 2008

Fortsetzungsroman "Jessica McCain Radioactive State" Teil Eins



Jessica McCain packte ihre Sachen. Sie musste raus aus dieser Stadt, die für sie und Buster, ihren schwarzen Mischlingsrüden mit dem flauschigen Fell, den Schlappohren und der nassen Nase, von Tag zu Tag unsicherer wurde. Mit ihrem Rucksack, in dem das Nötigste zum Überleben für Jessica und ihren Hund verstaut war, verließ sie das Hochhaus. Die Straßen waren menschenleer und mit Müll und Fäkalien übersät. Dingos und Kojoten heulten, Faultiere hingen schmatzend an den Strommästen. Langsam erreichten die beiden die Außenbezirke. "Pass auf, dass du nicht in eine aufgewirbelte Staubwolke gerätst" wurde sie von Buster gewarnt, "Die sind verseucht von radioaktivem Fallout". ...

Dienstag, 5. August 2008

Pistolero

Mit einer Waffe fühlt man sich doch gleich viel sicherer.

Montag, 28. Juli 2008

Kommentare

Selbstverständlich sind Kommentare herzlich willkommen! Sie machen das Bloggen ja auch erst interessant. Auch die Möglichkeit, anonym zu kommentieren, ist in Ordnung.
Trotzdem fällt auf, dass in letzter Zeit einige seltsame Kommentare geposted werden.
Ich zitiere:

Aus dem Post "Fressautomat":

Anonym Heintje Ballack-Gates hat gesagt...

"In meiner Schulklasse zerkleinern sich einige Leute ihre Ritalintabletten mittels einer Feile oder ähnlichen Werkzeugen und ziehen uns das Pulver mit einem Strohhalm in die Nase. Danach ist dann der Tag gerettet, insbesondere, wenn wir Politik haben. Manchmal Vor Sport kommt das aber nicht so gut. Ich habe das erst zweimal probiert, denn ich möchte ja nicht als Gangsta enden, sondern ein fitter Junge bleiben. Fällt mir nur gerade ein, wo ich diese Automatennüsse sehe. Die kann man aber gestrost essen."

Ich würd zu gerne wissen, wer Das geschrieben hat!

Eigentlich ganz lustig, aber an der Grenze:

Fresse hat gesagt...

"Höh, Henning, geiles Stück Blog. Du bist selber ein Fressautomat. Ein Fress- und Kackautomat."

Aus den Kommentaren zum Post "Kunst":

Die runde, lange Saukuhfotze hat gesagt...

"Das soll Kunst sein? Ich schneide dir gleich den Pullermatz ab mit meinme langen, scharfen Messer. Jaaaa, das mache ich, hehehe. Das ist Kunst."

Aus "Viehputzgerät":

Pimmellecker hat gesagt...

"Willste etwa auch mehr Milch geben?"

Also, anonyme(r) Kommentarschreiber, gebt euch zu erkennen!!!!




Donnerstag, 17. Juli 2008

Nachtrag und Richtigstellung zu "U 581 wird bei den Azoren versenkt" vom 22 Januar 2008

Es ist nicht richtig, dass Werner Wilhelm Pfeifer, der Kommandant von U 581, inkompetent war. Vielmehr erlag er einer Übermacht, darüberhinaus war wohl ein Rohr aufgrund von Sabotage geplatzt. Das zitierte Buch von Leonce Peillard jedenfalls ist völlig unseriös. Sämtliche Besatzungsmitglieder von U 581 berichten, daß der Kommandant von U 581 keinesfalls unbeliebt und inkompetent war.

Mittwoch, 16. Juli 2008

Fressautomat



Was es nicht so alles gibt!

Die folgenden 2 Dinge hab ich aus einem Fressautomat am Hamburger Hauptbahnhof.

50 Cent pro Packung, jeweils!

"Minispek" ist ziemlich niedlich. Nicht zu verwechseln mit Hamburger Speck.

"KRACK NUGGETS" wiederrum sind eine grobe Verharmlosung und eine Aufforderung an Kinder, harte Drogen zu nehmen!

Montag, 2. Juni 2008

KUNST????


Am Wochenende haben Benne und sein Kumpel Romanus bei uns übernachtet.
Über deren Ausstellung im August wird natürlich ausführlich berichtet.
Man schaue sich aber doch bitte die Seite von Romanus Gecius an, vor allem die Ölbilder sind zwei oder drei Blicke wert! Da werden Erinnerungen wach...

Dienstag, 11. März 2008

Rasieren, aber richtig!


Einer meiner Lieblingsblogs ist Mantic 59's Shaving Blog.
Aufmerksam wurde ich durch seine diversen Youtube-Videos mit Rasurbezug, die dem interessierten Zuschauer richtige Rasurtechniken für Anfänger und Fortgeschrittene vermitteln.
Das Gesicht vor der Rasur heiß anfeuchten, das korrekte Aufschäumen der Rasierseife, das nochmalige, spiegelverkehrte Rasieren nach der ersten Rasur sind nur einige der Tricks, die Mantic in seinen Onlinelektionen vermittelt. Merke: Die wertvollste Seife ist die, die man man beim zweiten Rasurgang aufträgt und, wie auf dem Foto zu sehen, noch am Rasierpinsel klebt: Cremig und fest zugleich, in perfekter Konsistenz. Solchen Rasierschaum kann man nicht in der Sprühdose kaufen.

Montag, 10. März 2008

Dienstag, 4. März 2008

Viehputzgerät


Immer schon habe ich davon geträumt, so ein Gerät zu besitzen. Die glücklichen Wiederkäuer werden durch das Viehputzgerät am Rücken gekratzt. Die Kühe sind zufriedener, weniger gestresst und geben somit mehr Milch. Ob das auch bei Menschen funktioniert?

Freitag, 29. Februar 2008

Hugo. Ball.


Hugo Ball´s Freundin hieß Emmy Hennings, später Emmy Hennings-Ball. Ihr ist auch der Roman "Flametti oder Vom Dandysmus der Armen" von Hugo Ball gewidmet, in dem u.a. Herr Häsli und ein Damenimitator vorkommen.
Ich fühle mich gleich ganz zuhause in Hugo Ball´s Welt.

Hallo Heso, hallo Wutknäckebrot!


Die Schweiz. Land der Präzisionsuhren und humorlosen Bänker, von Kuhglockengeläut und Alphörnern, von Fondue, Rösti und überteuerten Lebensmittelpreisen. Nach meinen drei Tagen in Zürich habe ich bisher leider noch keine Kuh und kein Alphorn gesehen, obwohl man im Expressshuttle am Züricher Flughafen mit Alphorngetute und Kuhglockengebimmel vom Tonband begrüsst wird. (Für diejenigen, die es bemerkt haben: In der Schweiz gibt es kein Esszett.) Die Preise sind exorbitant hoch, ein Bier "von der Stange", also vom Fass, kostet 9 Franken. Umgerechnet 6 Euro 50. Das liebe Geld prägt die Mentalität der Schweiz, vornehmlich wohl in Zürich, dass als internationaler Finanzplatz trotz seiner provinziellen 400.000 Einwohnern eine Global City ist. Über Geld wird offen, schamlos und gerne geredet. Unter wildfremden Menschen ist es vollkommen normal, sich erst einmal über die Einkommens- und Vermögenssituation des Gegenüber zu informieren. Am Stauffenbacher Platz unterhielt ich mich mit zwei einheimischen Obdachlosen, die "in der Bettelbranche" bis zu 200 Franken pro Tag verdienen, wenn man es "professionell" betreibe. Die Konkurrenz aus Osteuropa mache die Arbeit jedoch immer schwerer.
Ein Klima des Geldes.
Der Kommentar des "Züricher Anzeiger" zur Steueraffäre in Deutschland: Das Problem sei, dass Einkommensstarke viel zu hoch besteuert würden, während Geringverdiener praktisch nichts zahlen würden. Das sei absolut ungerecht, wenn so wenig für die Reichen übrigbleibe.
Kein Wunder also, wenn "vermögensbewusste Deutsche" ihr sauerverdientes lieber in Liechtenstein oder in der Schweiz in Sicherheit bringen.
Gestern im Cabaret Voltaire gewesen, dem Ort, wo Hugo Ball und Ernst Jandl den Dadaismus erfanden. Im Keller befindet sich eine Dauerausstellung zum literarischen Dadaismus, wo man an einer Wand selber dadaistische Botschaften hinterlassen darf. "Hallo Heso, hallo Wutknäckebrot" ist jetzt in "Hugo Balls Krypta" verewigt.

Dienstag, 22. Januar 2008

Duk-Duk



Ernst Jünger schreibt in seinen 1949 erschienenen Memoiren "Strahlungen" im "ersten Pariser Tagebuch" seine Beobachtung als Beisitzer in einem Militärgericht. Hierbei wird er Zeuge einiger Prozesse, bei denen Urteile von Disziplinarstrafen bis zur Hinrichtung ausgesprochen werden. Der Eintrag Paris, 5. November 1941 beginnt mit folgendem Satz:
"Richter in Blutdingen. Wenn sie über die Korridore gehen, eintreten, haftet ihnen ein automatisches Gehabe, die frühe Würde schauerlicher Hampelmänner an. Es sind Duk-Duk-Tänzer."
Duk-Duk-Tänzer? Inspiriert wurde Ernst Jünger hierbei vielleicht von den französischen Messern der Marke "Douk-Douk", die -auf dem Foto leider nicht zu erkennen- auf dem Griff tatsächlich die Gravur eines Duk-Duk-Tänzers zeigen, wie ihn der Verfasser gezeichnet hat. Eine französische Freundin des Verfassers besitzt ein solches altes Douk-Douk-Messer.
Was denn Duk-Duk jetzt sei? Das fragt sich der geneigte Leser. Werfen wir hierzu einen Blick in das Deutsche Koloniallexikon von 1920:

Dukduk, Geheimbund in Neulauenburg und an der Blanchebucht von Neupommern im Bismarckarchipel (Deutsch-Neuguinea). Dem D. gehören die alten Männer an. Er untersteht dem D. genannten Geiste, der in der See wohnt und in der Neumondzeit erscheint. Zu seinem Empfange ist von allen Dorfbewohnern ein Beitrag an Nahrungsmitteln gestiftet, denn sein Kommen wird einen Monat vorher angekündigt; die Frauen verschwinden oder halten sich in den Häusern. Der Verlauf ist folgender: Von See her nähern sich bei Tagesanbruch mehrere zusammengebundene Boote; auf der von ihnen getragenen Plattform stehen zwei als Kasuare Maskierte, deren Benehmen und Laute sie nachahmen. Die Maskierten gehen an Land, streifen durch Dorf, Pflanzungen und Wald; gegen Abend erhalten sie durch die alten Männer den Tribut an Nahrungsmitteln in einer geheim gehaltenen Hütte im Walde. Sind die Gaben verwahrt, so erscheint der D. wieder im Dorfe, wo die jungen Männer in Reihen aufgestellt sind und von den D. Hiebe mit Stöcken und Keulen erhalten. Tags über taucht der D., der mit allen Versehen und Vergehn der Dörfler vertraut ist, an den unerwartetsten Stellen auf; er darf prügeln und auch erschlagen; wer ihn berührt, verfällt dem Tode. Zwei Wochen lang erscheint der D., stets in rhythmischen Kasuarbewegungen , und prügelt allabendlich die jungen Männer. Nach Ablauf der Zeit verschwindet er wieder, die Masken, Stöcke und Keulen, auch das geheime Haus im Walde werden verbrannt. - Der D. dient zunächst der Justiz und der staatlichen Ordnung und bildet politisch eine Zusammenfassung der zersplitterten Sippen von Neulauenburg und Umgebung. Allein die alten Männer benutzen ihn zu egoistischen Zwecken. Sie sichern sich durch die dem D. darzubringenden Nahrungsmittel ein bequemes Leben und lassen von den D. nicht nur die Disziplin aufrechterhalten, sondern auch Mißliebige töten und bereichern sich, indem der D. Geldstrafen verhängt: Frauen z. B. haben in dem Gebiet eigenes Vermögen an Muschelgeld und sind oft reicher als ihre Männer; gerade sie werden daher vorwiegend in Geldstrafen genommen. - Da der D. alle zwei Monate erscheinen kann, so führt der Mißbrauch des ursprünglich wohltätigen Geheimbundes zu Mord und schweren wirtschaftlichen Schäden. Das Gouvernement hat daher den D. zwar seines Geheimnisses entkleidet und jede Eigenmächtigkeit verboten, sonst aber in kluger Berechnung fortbestehen lassen. Das Erscheinen des D. ist dadurch für die Erwachsenen ein harmloses Maskenfest geworden, für die Kinder ein immerhin wirksames Erziehungsmittel geblieben.

Die Aussage ist eindeutig: Totalitäre Machtstrukturen, wie bei Jüngers Militärgericht mit seiner Entscheidungsgewalt über Leben und Tod und seinen willkürlichen Erschießungsbefehlen gegen "Deserteure", wie im Eintrag Paris, 29 Mai beschrieben, beruhen auf einer Maskerade. Sie sind ein Schwindel, mit der sich die Offizierskaste ihre Privilegien sichert, analog zur nichtarbeitenden männlichen Papua-Bevölkerung, die sich durch die Willkürakte des Duk-Duk Reichtum aneignet.
Wie fragil für den vermeintlichen Kriegsverherrlicher Ernst Jünger Hierarchien sind, ist auch unter dem Eintrag Paris, 21. Oktober 1941 beschrieben: "In meinem Zimmer... wurde ein besonderer Stahlschrank aufgestellt. Natürlich sind solche Panzer nur Sinnbilder der persönlichen Unantastbarkeit. Wird diese fraglich, dann springen selbst die stärksten Schlösser auf."

Ein Foto von Duk-Duk-Tänzern befindet sich hier: http://www.oceania-ethnographica.com/mell64.jpg

Sonntag, 20. Januar 2008


Es gibt einfach Gewinnertypen. Dies ist ein Bild meines härtesten Konkurrenten Gronkor. Wenn er auf einer Show auftauchte, hatte ich mit meinem üblichen Trick, die linke UND die rechte Socke aus einem Haufen einzelner Socken herauszusuchen und zu aportieren, nicht viel zu melden. Mit seinem Schmachtblick vestand er es, sogar mit so hirnerweichend einfachen Tricks wie Schweifrotation die Jury zu bezirzen. Nun ist er nicht mehr. Der Weg zu Sieg wäre mir nun nicht mehr versperrt, wäre ich nicht zu alt und auf einem Auge erblindet. Ich hatte mich auch längst mit meinem Schicksal des ewigen zweiten abgefunden, hätte ich nicht gerade letzten Sonntag dieses Bild in der aktuellen "Tier und Mensch" entdeckt. Da kochte die alte Wut wieder hoch. Alter Nichtskönner! Ich komme auch bald. Dann werden wir ja sehen, wer beim letzten Gericht die Jury bezirzt. Wulunke

Samstag, 19. Januar 2008

U 581 wird bei den Azoren versenkt





In der populärwissenschaftlichen Darstellung
"Die Schlacht im Atlantik" von Leonce Peillard
bin ich auf folgendes Kapitel gestoßen:
"U 581 wird bei den Azoren versenkt"
Für den geneigten Leser poste ich einen Auszug dieser spannenden Episode aus dem II. Weltkrieg. Für diejenigen, die keine Lust haben, Kriegsberichte im Landserheftchenstil zu lesen, sind die wichtigsten Passagen fett gedruckt:

U 581 wird bei den Azoren versenkt

Nicht alle U-Boot-Kommandanten waren Männer vom Schlage eines Zapp, Topp oder Hardegen
(Für Nichtlandserheftchenleser: Allesamt NS-Propagandahelden) . U 581 hatte das Pech, von Kplt. Werner Wilhelm Pfeifer kommandiert zu werden. Pfeifer war bei seinen Männern nicht beliebt, vielleicht weil er allzu streng darauf achtete, daß kein Tropfen Alkohol an Bord kam. (...) Seine Besatzung lebte in ständiger Furcht vor einer Bestrafung durch den Ingenieur-Offizier, der eine eiserne Disziplin durchsetzte. Vor dem Auslaufen aus Saint-Nazaire hatte Pfeifer eine kurze Ansprache gehalten: "Ich fordere harte Arbeit. Jeder hat strengstens seine pflicht zu tun. Wenn Ihnen das nicht paßt- es gibt eine Menge leerer Zellen in den Gefängnissen von Saint-Nazaire."
Tatsächlich war nicht Pfeifer, sondern der erste Ingenieur-Offizier der wirkliche Kommandant von U-581, und die Besatzung war, mit Ausnahme von drei Unteroffizieren, völlig unerfahren. Einen einzigen Erfolg konnte U-581 bisher aufweisen: Es hatte am 19. Januar den Fischdampfer "Rosemonde" versenkt und dafür nicht weniger als drei Torpedos gebraucht.
Admiral Dönitz befahl nun U 581, im Seegebiet der Azoren zu U 402 zu stoßen. Die Begegnung der beiden Boote fand am 2. Februar im Südeingang der Straße von Fayal statt. U 402 sollte sich am Ausgang dieses Meeresarmes aufstellen, U 581 bleiben, wo es war. In diesem Seegebiet patrouillierten am 2. Februar drei englische Zerstörer: "Exmoor", "Croome" und "Westcott". Pfeifer sichtete bei Vollmond und ruhiger See einen dieser Zerstörer. Er schoß einen Torpedo ab, der jedoch das Ziel verfehlte, und Pfeifer ließ tauchen. In einer Tiefe von
90 m begann plötzlich durch ein Entlüftungsrohr Wasser einzuströmen, das in den Maschinenraum drang und immer höher stieg. Jeden Augenblick konnte es einen Kurzschluß geben, der einen Ausfall der E-Motoren bedeutet hätte. Das Boot neigte sich stark nach vorn.
Pfeifer befahl die Tanks auszublasen und aufzutauchen. U 581 stieg, blieb aber 20 m unter der Wasseroberfläche stehen. In unmittelbarer Nähe waren die Schraubengeräusche der Zerstörer zu hören. "Sie werden uns rammen", sagte der Ingenieur-Offizier. Wir müssen tiefer gehen."
"Gut, tauchen wir", stimmte ihm Pfeifer bei.
U-581 sank und ließ sich nicht mehr abfangen: 100, 150, 170 m zeigte der Tiefenmesser an. Das war mehr, als die Nerven des Kommandanten auszuhalten vermochten. Er befahl, unverzüglich aufzutauchen. Das Boot schoß neben der "Westcott" aus dem Wasser. Die englischen Zerstörer hatten in diesem Augnblick schon beschloßen, die Verfolgung aufzugeben, da sie es nicht mehr mit dem Asdic orten konnten. Pfeifer befahl, das Boot zu verlassen, und der Ingenieur-Offizier öffnete die Ventile,um es zu versenken. Die Männer, die ihre Schwimmwesten angelegt hatten, sprangen ins Wasser und wurden gefangengenommen.


Unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieses "geschichtwissenschaftlichen" Ergusses war mein Opa wohl nicht der kompetenteste U-Boot-Kommandant. Das ist sehr positiv, da die Deutschen sonst noch mehr Seeleute mit ihren Torpedos getötet hätten. Meinem Opa gelang das jedenfalls nicht, und nach seinem ersten Einsatz war der II. Weltkrieg für ihn erst mal vorbei, und er konnte im kanadischen Militärgefängnis komfortabel leben, lesen und sein Englisch und Französisch verbessern. Mein Opa lebt schon lange nicht mehr, ich kann ihn nicht mehr dazu befragen. Mein Vater sagt, Opa habe "nie darüber gesprochen", nur einmal angedeutet, dass eventuell Sabotage die Fehlfunktion beim Tauchen verursacht habe. Ob er wirklich "unbeliebt" bei der Besatzung war, lässt sich auch nicht mehr herausfinden. Nach Meinung meines Vaters ist das jedenfalls "Quatsch".
Trotzdem hat er die richtige Entscheidung getroffen, den Kampf aufzugeben und so das Leben der U-Boot Besatzung, der englischen Seeleute sowie der potentiellen zukünftigen Opfer von U 581 zu retten. Dieses Verhalten wurde von der deutschen Admiralität als "Feigheit" bezeichnet, und dass kann man durchaus als Auszeichnung betrachten. Danke, Opa, für deine richtige Entscheidung.

Freitag, 18. Januar 2008

Sarah und Henning - ein Fragment

Sarah und Henning- ein Fragment

F:Wieso ein Fragment? Ist der Name Programm?

A:Wir gehen davon aus, dass wir heute abend nicht zu einem Ende kommen.
Ganz entspannt sind wir sowieso nicht, zumindest ich nicht.

S: Ich bin entspannt, gerade, ja, doch.

F: Glaubst du, dass du dein schönstes Erlebnis noch haben wirst, oder es schon hattest?

A: Ich hoffe, ich werde es noch haben. Ich hatte schon tolle Momente in meinem Leben.Triumphe, Genüsse. Nahezu vollkommene Momente. Ich glaube aber, das Gefühl, alles
richtig gemacht zu haben, und zu wissen, dass es weitergeht, werde ich noch haben. Dieses echte Glücksgefühl, wissen Sie.

F:Nein, aber das tut nichts zur Sache.

Jetzt fragen Sie sich vielleicht: Was soll das? Nun, ich habe keine Ahnung. Meine Gedanken fließen momentan so zäh wie Hack, dass Sie durch den Fleischwolf drehen wollen, nachdem es drei Tage in der Sonne lag. Aber da kann man wohl nichts machen. Wenden wir uns also wieder unserem Gespräch zu:

F: Ich habe eine interessante These, die von S und F beantwortet werden kann, aber nicht muss.

Die durchschnittliche Palituchträgerin im Teenageralter interessiert sich
- rein durchnschnittlich- im Jahre 2008 weniger für Kernphysik als, sagen wir mal, vor zehn Jahren.

S, Ihre Meinung?

S: Die durchschnittliche Palituchträgerin hat sich auch vor 10 Jahren nicht für Kernphysik interessiert. Jedoch sollte man bedenken, dass, würde sie sich für Kernphysik interessieren, sie vor zehn Jahren höhere Chancen gehabt hätte, auf diesem Gebiet erfolgreich zu sein. Wenn Sie verstehen, was ich meine.

A: Dem möchte ich widersprechen. Vor zehn Jahren haben ganz andere Milieus, nämlich die bildungsbürgerlichen, die Kufiya getragen, als vermeintlich "linkes" Symbol- freilich ohne genaues politisches Hintergrundwissen. Einher ging dies oft mit einem Engagement auch für ökologische Themen, und damit auch ein gewisses naturwissenschaftliches Interesse. Einige erinnern sich vielleicht noch gut an die Anti-Atom-Kampagnen der neunziger
Jahre im Wendland, bei denen viele Junghäsinnen Palituch trugen. Heute tragen Palituch junge Möchtegern-Mudjaheddin der westdeutschen Großstädte, und dieses Symbol ist gegenwärtig Mode im adaptiven, und nur noch vereinzelt im bürgerlichen Milieu.

S: Zu diesem Thema würde ich gerne jermanden befragen. C., was meinen Sie dazu?

C: Ey, du bist ja n ganz schlauer, nee?! Was geht disch das an, was cih trage. Ich trag worauf ich

Bock hab, laber mal nich hier rum ey!

S: Danke C. . Zu ihnen, A.: Zwar...

Denkpause. Sehen sie sich S. an. Jetzt auch sie am Zeitpunkt des totalen Gehirnhacks angekommen. Alles, was sie ab jetzt sagen wird, wird nurnoch für die glücklichen Irren unter Ihnen verständlich sein.

A: Das, was im Zwischentext vermerkt wurde, ist nicht immer etwas ungewöhnliches.

Ich möchte gerne eine Schilderung eines erotischen Erlebnisses folgen lassen.
Irgendwelche Einwände?

S: Wie könnte ich dies, bei einer so charmanten Überleitung, ablehnen? Nur zu, A.

A: Nun gut... Ich bin abgelenkt. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt schildern.
Vorerst möchte ich ein paar Bemerkungen zum Wetter machen. Das Tiefdruckgebiert der letzten Woche mit seiner typischen trockenen Wetterlage hilet ungewöhnlich lange für die Jahreszeit. Ob das gut für die Landwirtschaft ist? S, was meinen Sie dazu?

F: Eigentlich stelle ich die Fragen...

A: Naja...

S: Gott, nicht, dass mir die Landwirtschaft jemals wichtig gewesen wäre, aber im Moment ist sie es noch weniger. Aber, ok, sollte es nicht gut für die Landwirtschaft sein, dann tut es mir natürlich leid.

A: Ich mache mir Sorgen um die Bauern.

S: Dazu gibt es keinen Grund. Schliesslich gibt es heutzutage Bauern rettende Formate wie

"Bauer sucht Frau".

F: Das ist zwar richtig, dennoch geben erhöhte Cholesterinwerte und ein überdurchschnittlicher Body-Mass-Index der hiesigen Landwirte Grund zur Sorge, trotz wirtschaftlicher Erfolge in dieser Branche. Denn: was täten wir nur ohne sie, unsere Bauern? Keine Brötchen am Sonntag, keine Weihnachtsbäume, Gar nichts! Ein Horrorszenario...

S: Dazu fällt mir nur ein: Wer kein Brot hAT; soll Kuchen essen!

A: Und abschließend, um Marie Antoinette zu zitieren: Der dümmste Bauer erntet die dicksten Kartoffeln. Gegen Demokraten helfen nur Zigaretten. Guten Abend.

Mittwoch, 16. Januar 2008

ach

ACH hättst du mir gesagt,
DU magst die eier hart,
GRÜNE dotter hättst du nach minuten,
NEUNE an der zahl, bekommen.

Sonntag, 13. Januar 2008

veilchen

rosen sind rot
veilchen sind blau
und dieses gedicht ist für dich!